The Smashing Pumpkins – Apathie als Rebellion


Grunge war die Stimme der 90erjahre. Oder zumindest die der damaligen Gegenkultur. Das Alternative, das andere wurde zum Auffangbecken für die Freaks und Außenseiter, die sonst nirgends unterkamen. In den dunklen, teils dissonanten, aber immer paradoxerweise gleichzeitig apathisch und wütend klingenden Tönen drückten Bands wie Nirvana oder Screaming Trees ihren Weltschmerz und ihre Verzweiflung aus. Gerade das machte solche Gruppen auch für die Jugend interessant. Schließlich sind das Gefühlszustände, die jeder Pubertierende leicht nachvollziehen kann. Dabei ist es besonders effektvoll, sich mit dem Düsteren, dem Tod zu identifizieren. Er ist immerhin das, was die Menschen am meisten fürchten. Und fürchtet man ihn nicht, hat man auch vor sonst nichts Angst. Jedenfalls theoretisch. Praktisch sieht das natürlich anders aus. Deswegen bleibt kaum ein Erwachsener Teil einer Jugendkultur wie Gothic, da er mit dem Alter eben versteht, dass deren Glaubensgrundsätze irrational und oft illusorisch sind.

 

Die Anfänge der Smashing Pumpkins

Eine Band, die damals besonders gut den Zeitgeist traf, waren The Smashing Pumpkins, die eine Mischung aus Grunge und Psychedelic Rock spielten. Gegründet wurde die Band zwar schon 1987, nur ließ der Erfolg dann noch relativ lange auf sich warten. Immerhin kam kurz darauf Nirvanas „Nevermind“ heraus, das die Charts eroberte und erst mal alles andere als unwichtig ausblendete. Die Zeit war für The Smashing Pumpkins auch besonders schwer. So stürzte sie Billy Corgan, kreativer Kopf der Band, in tiefe Depressionen und Suizidgedanken, wie er dem Rolling Stone verriet.

 

Der Durchbruch

Mit dem zweiten Album „Siamese Dream“ kam dann der Durchbruch. Und das war mehr als gerechtfertigt, enthielt die Platte doch gleich zwei der besten Tracks, die Corgan jemals schreiben sollte: „Today“ und „Disarm“. Ersterer klingt an sich positiv („today is the greatest day I´ve ever known“) , behandelt aber ein düsteres Thema. So bedeutet „the greatest day“ eigentlich, dass die Tage davor so schlimm waren, dass der nächste nur noch besser sein kann. „Disarm“ zeigt Corgan ebenfalls von seiner verletzlichen Seite und erzählt von dem schwierigen Verhältnis, das der Musiker mit seinen Eltern hatte.

 

Keep Smashing Pumpkins?

Die dritte Platte „Mellon Collie and the Infinite Sadness“ toppte den Erfolg von „Siames Drem“ sogar noch. Das Album bescherte der Band zudem weltweiten Ruhm und schaffte es u.a. auch in Deutschland oder Österreich in die Charts. Und dann kam „Adore“. Auch dieser Tonträger erreichte weltweit die vordersten Plätze der Hitparaden. Nur nahmen die Kritiker die Platte größtenteils auseinander. Auch geriet sie relativ schnell wieder in Vergessenheit. Hier begann Corgan zudem, sein Aussehen stark zu verändern. Er trat fortan mit Glatze auf und nahm stilistische Anleihen aus anderen Subgenres wie Gothic oder Metal. Die zwei Alben danach waren ähnlich erfolgreich wie „Adore“, während die beiden letzten Tonträger „Oceania“ und „Monuments to an Elegy“ zwar oft wohlwollend von den Kritikern aufgenommen wurden, aber relativ wenig Hörer fanden.

 

Was machen The Smashing Pumpkins heute?

Die Band, die laut uncut.co.uk mehr als 30 Millionen Platen verkauft hat, ist seit über 30 Jahren im Geschäft und hat ihre besten Zeiten natürlich schon gesehen. Ab einem gewissen Alter noch neue Ideen zu bringen, ist eben sehr unwahrscheinlich. Der ehemals große Erfolg und der Fall danach sind an Corgan allerdings nicht spurlos vorbeigegangen. So verriet er NME, er habe schon mehrmals ernsthaft seinen Suizid geplant. Letztlich habe ihm der Glaube an Gott aber immer aus den Krisen geholfen. Überhaupt zeigt sich Corgan überaus kritisch gegenüber dem Musikbusiness und sogar gegenüber den eigenen Werken. In einem Interview gab er etwa an, seine Musik sei eher destruktiv und habe der Gesellschaft mehr geschadet, als genutzt. Aber selbst wenn Corgan nicht mehr an seine frühere Brillianz herankommt, lohnt es dennoch, ihm zuzuhören. Schließlich ist er ein hochintelligenter Kulturkritiker, dessen Ideen verflucht viel Sinn ergeben. Überzeugt euch selbst:

 

 

Und hier noch ein paar der schönsten Songs der Band:

 

 

 

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