Filmempfehlung: Frank und warum es kaum noch unvorhersehbare Filme gibt


Ganz selten gibt es sie noch: Wirklich gute Filme wie Frank, bei denen man zudem nicht gleich jeden Handlungstwist schon Minuten davor erahnt. Mangelware sind sie heutzutage allemal, gehen den Filmemachern inzwischen doch langsam die Ideen aus, da es bereits alles gibt, was man sich ausdenken könnte. Zumal sich die Kreativen Hollywoods oftmals krampfhaft an strukturelle Blaupausen halten.

Der Heros mit den tausend Gesichtern

Geschehen ist das übrigens sogar bei den Star Wars Filmen. Deren Aufbau hält sich schließlich strikt an die einzelnen Schritte der Heldenreise, die Joseph Campbell in seinem Werk „Der Heros mit tausend Gesichtern“ auflistet. Das Buch mag zwar kulturell wertvoll sein, da es dies einzelnen Schritte aus einer Vielzahl von Mythen und Sagen abstrahiert. Nach Campbell befindet sich sogar jeder Mensch auf dieser Heldenreise und braucht, wenn er gerade nicht mehr weiter weiß, nur die Listezu lesen. Allerdings sind die Schritte eben auch ziemliche Spoiler, weil sie zumindest teilweise verraten, wie die Star Wars Episoden 8 und 9 verlaufen werden.

Schritt 1: der Aufbruch

Denn bei Episode VII (und Episode IV) haben die Drehbuchautoren die einzelnen Etappen des ersten Schrittes Campbells‘ Reise, der Aufbruch, wie bei einer Strichliste abgehakt. Bei Campbell setzt er sich wie folgt zusammen:

1. Der Ruf zum Abenteuer (Episode VII: Rey wird von Stimme in Maz Kanatas‘ Keller gelockt, wo sie das Lichtschwert findet)

2. Ablehnung (Rey flüchtet einfach)

3. Übernatürliche Hilfe (Rey entdeckt, dass sie im Besitz der Macht ist …)

4. Die erste Grenze überschreiten (… und setzt sie gegen Kylo Ren ein)

5. Im Bauch des Wales (Rey kämpft gegen Kylo Ren)

Inzwischen greifen viele Filmemacher auf ähnliche Hilfsmittel zurück. Dabei soll die Struktur der Erzählung perfektioniert werden. Nur führt das eben dazu, dass die Handlung vieler Filme voraussehbar wird.

Frank

So nicht bei Frank, dem sympathischen Streifen über die fiktive und vor allem talentierte Indie-Band Soronprfbs. Hier sind nämlich nicht nur die Figuren originell, sondern auch die Handlungsstruktur größtenteils unvorhersehbar. Dies mag auch daran liegen, dass nahezu alle Charaktere total durchgeknallt sind. Da gibt es etwa Frank, den Titelhelden, der von Michael Fassbender verkörpert wird. Er trägt stets einen riesigen Kopf aus Pappmachè, auf den ein verstörendes Gesicht gezeichnet ist. Angelehnt ist es übrigens an den verschrobenen Musiker Chris Sievey a.k.a Frank Longbottom. Mit ihm spielte Jon Ronson, einer der Drehbuchautoren von Frank, einst in einer Band.

Sievey in Aktion sehen könnt ihr hier:

Wahn als Normalität (Achtung Spoiler)

Und auch die restlichen Bandmitglieder sind kaum normaler. So will Don sich beispielsweise ständig umbringen, während Nana und Baraque kaum ein Wort reden. All die Verrücktheit wird dann mit Jon konterkariert. Er arbeitet eigentlich in einem Büro, träumt aber von der großen Karriere als Musiker. Letztlich wird er Mitglied von Soronprfbs und nimmt mit der Band in einem alten Haus im Wald ein Album auf. Wirklich beitragen kann er dabei jedoch nichts, da er nicht sonderlich talentiert ist.

Genie und Wahnsinn

Frank ist die Art die Film, die am Ende nochmal komplett das Format wechselt. Denn so tragisch der Stoff auch sein mag, ist er durch die absurden Charaktere zunächst einfach nur lustig. Schließlich kommt allerdings heraus, dass Frank tatsächlich psychisch erkrankt ist und er das Haus nur mithilfe seiner Maske verlassen kann. Damit stellt der Film natürlich die Frage nach dem Zusammenhang von Genie und Wahnsinn. Ist in der Kunst alles okay, wenn die Schaffenden verrückt sind? Und muss man sich erst Gedanken machen, wenn niemand den Verstand verloren hat? Der Film resümiert relativ nüchtern. So scheitert die Band letztlich am großen Erfolg und wird lediglich als „ein Haufen Freaks“ bezeichnet. Und auch Franks Mutter kam dem Wahn nichts Positives abgewinnen. „Wenn überhaupt, dann hält ihn das [Franks Erkrankung] nur zurück“. Wenigstens einen kleinen Erfolg kann der Antiheld am Ende für sich verbuchen: Er ist nun endlich dazu in der Lage, wenigstens seinen Bandmitgliedern ohne Maske ins Gesicht zu sehen.

Den Trailer zum Film findet ihr hier:

Unbedingt anhören solltet ihr euch zudem die Songs von Soronprfbs, die aus der Feder des Filmkomponenten Stephen Rennicks stammen:

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