Arcade Fire’s neues Album: Everything now


Helden gibt es heute eigentlich nicht mehr. Hatten die 70er- oder 80erjahre noch Galionsfiguren wie Hendrix und Clapton bzw. Mettalica und The Smiths, sind Musiker inzwischen meist nur noch für ein paar Jahre bekannt und versinken dann wieder in der Vergessenheit. Letztlich hängt das auch mit der Säkularisierung zusammen. Denn früher hielt man solche Menschen für von den Göttern berührt, während sie heute bloß noch Dienstleister sind. Doch eine Band widersetzt sich diesem Trend: Arcade Fire. Fast mit religiösem Fanatismus erwarten die Anhänger das nächste Album, das meist im Abstand von drei Jahren erscheint. Fast alle Tonträger haben es bisher weit nach vorne in die Charts geschafft, was gerade für eine Independent-Gruppe ein extremst unwahrscheinlicher Erfolg ist. Zumal die Band nicht nur besonders originelle und einzigartige Melodien schreibt, sondern außerdem mit sehr unkonventionellen Instrumenten und Songlängen experimentiert, was normalerweise einen Großteil der Hörer abschreckt.

„Everything now“ erscheint am 28. Juli

Und nun ist es wieder so weit. Bloß noch knappe drei Wochen sind es bis zum Erscheinen des neuen Albums „Everything now“, wie etwa NME berichtet. Vorab hat die Band schon einige Songs auf Youtube veröffentlicht. Sie klingen beim ersten hören – wie das bei Arcade Fire eigentlich immer so ist – zunächst etwas befremdlich. Schließlich kombiniert die Band auch auf dieser Platte dermaßen viele Einflüsse und bedient sich aus so vielen Epochen der Musikgeschichte, dass man den Sound zunächst nur schwer eingrenzen und verstehen kann, was letztlich aber wohl auch den Erfolg und die Anziehungskraft von Arcade Fire ausmacht. So hört man im Track „Creature Comfort“ Synthesizer Beats, die leicht an Joy Division erinnern. „Everything now“ beginnt dagegen bloß mit Synthesizer, nur um nach 45 Sekunden komplett die Richtung zu ändern. Getragen wird der Song dann vom Klavier und der Akustikgitarre, während sich hin und wieder eine Panflöte dazugesellt.

Wunderkind Regine Chassagne

Beim Track „Electric Blue“ geschieht sogar, was nur selten passiert: Es steht Regine Chassagne im Mittelpunkt. Sie ist nicht nur der Hauptprotagonist im Video, sondern liefert daneben auch den Gesang. Meist überlässt die Band diese Parts Regine’s Ehemann Win Butler. Dass Regine, die 10 Jahre lang mittelalterliche Musik studierte, mal im Mittelpunkt steht, hat sie mehr als verdient. So beschreibt sie Butler laut Guardian als Herz und Seele der Band, während er eher die Funktionen eines Regisseurs erfüllt. Überhaupt ist ihr Beitrag zum Songwriting sicherlich immens, galt sie doch schon in frühen Jahren als Wunderkind, das mit einem perfekten Gehört ausgestattet ganze Arrangements im Kopf hören konnte – sei es vorwärts oder rückwärts.

Ein Monat, 5 Millionen Klicks

Auch bei „Everything now“ scheint die Band um Regine Chassagne und Win Butler wieder alles richtig gemacht zu haben. Die Songs funktionieren und sind zudem auch wieder mal eine komplette Kehrtwende. Mit den vorherigen Alben wie „Reflector“ oder „The Suburbs“, hat der Sound inzwischen nämlich nicht mehr viel gemein. Die Band hat sich wieder komplett neu erfunden und dennoch den richtigen Ton getroffen.

The Mormon Fire?

Laut Rolling Stone kauften the Arcade Fire eine ganze Kirche, um das Album „Neon Bible“ aufzunehmen. Die spezielle Akustik sollte für mehr Klangtiefe sorgen, was man vor allem dem Track „Intervention“ anmerkt. Da fragt man sich natürlich, wie religiös geprägt die Band eigentlich ist. Und tatsächlich weiß man zumindest von Win Butler, dass er praktizierender Mormone ist. Seine Eltern waren nämlich Mormonen. Auch als Butler flügge wurde, hielt er der Religion die Treue. Er studierte Theologie und besucht weiterhin regelmäßig die Kirche. Fanatischen Eifer, der auf irrationalen Glaubenssätzen beruht, muss man in den Texten aber dennoch nicht befürchten. Immerhin nähert sich Butler dem Thema Religion generell durchaus kritisch, wie man an zahlreichen Textpassagen wie beispielsweise diesem hier sieht:

„Been working for the church while your life falls apart
They’re singing hallelujah when defeating your heart“

(Intervention)

 

Wenn ihr auf dem Laufenden bleiben und benachrichtigt werden wollt, wann der nächste Track auf Youtube landet oder wo die nächsten Gigs anstehen, folgt ihr am besten dem offiziellen Twitter-Account. Hier teilt Arcade Fire etwa mit, dass „Signs of Life“ releast wurde:

 

 

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