Die Kultur des Amoks – 91 Harvest Festival, Las Vegas


Gestern Abend gegen 22:00 Uhr erschoss ein Amokläufer 59 Menschen. Er zielte dabei aus dem 32. Stockwerk eines Hochhauses auf die Besucher des 91 Harvest Festival in Las Vegas. Aber was genau ist da passiert? Und welche Gründe könnte so eine Tat nur haben?

Was geschah beim Amoklauf auf dem Route 91 Harvest Festival?

Stephen Paddock brachte mehrere automatische Waffe in sein Hotelzimmer und verbarrikadierte sich dort, bevor er das Feuer auf die Menge eröffnete. Aus dem 32. Stock hatte er dabei leichtes Spiel, da es für die Zuschauer des Festivals so kaum möglich war, sich zu verstecken. Wie u.a. Spiegel, Guardian und CNN berichteten, streckte er 59 Menschen hin. Dann wurde er von der Polizei erschossen. Die Polizisten hatten zunächst Schwierigkeiten, ihn auszumachen, entdeckten ihn daraufhin aber, da Paddocks Salven den Feueralarm ausgelöst hatten.

Die ewige Suche nach den Gründen

Warum Paddock Amok gelaufen ist, weiß man bisher noch nicht. Einen extreme Gesinnung wurde zunächst einmal ausgeschlossen. Schließlich gäbe es dafür bisher keine Belege. Woran kein Zweifel besteht, ist, dass wohl wieder die üblichen Verdächtigen herhalten müssen. Man wird es mit Sicherheit auf Religion, Computerspiele, die Heroisierung des Bösen usw. schieben. Im Angesicht des schieren Chaos und der Gewalt verspricht das nämlich ein größtmögliches Maß an Kontrolle, was letztlich nur Illusion bleibt. Die Ursachen sind das nämlich nicht. Sie sind nur Symptom eines viel tiefer gehenden Problems. Sie als Ursachen zu bestimmen, liefert nämlich bloß einfache (eigentlich nicht funktionierende) Lösungen für hochkomplexe Probleme

Die Kultur des Amoks

Das Leben ist erträglich, zumindest meistens. Doch ab und zu gibt es Individuen, die einer Realität ausgesetzt werden, die nicht mehr menschenwürdig ist. Wir alle kennen die Welt. Wir alle können zumindest erahnen, welcher Gewalt, Erniedrigung oder Misshandlung ein Mensch ausgesetzt sein kann. Aber all das sollen nicht die Gründe sein? Stattdessen liegt es daran, dass jemand einen bestimmten Gott verehrt, ein paar Knöpfe auf einem PC drück, um irgendwelche Monster zu töten, die Menschen irgendwie ähneln?

Die Schuldfrage

Impliziert gibt die Debatte meist auch dem Individuum die Schuld. Und keine Frage – die Gesellschaft muss vor Amokläufern geschützt werden, indem man sie wegsperrt. Doch ist das Phänomen immanent und inzwischen schon so weit verbreitet, dass man kaum noch sagen kann: Er war das. Er ist verrückt. Es ist seine Schuld. Letztlich müssen wir auch über Fragen wie „sind PC-Spiele die Ursache?“, „liegt es an der Religion?“, „was stimmt nicht mit ihm/ihr?“ hinwegkommen. Das alles sind die falschen Fragen. Die richtige (unangenehme) wäre: Was stimmt nicht mit der Gesellschaft? Und warum produziert sie auf einmal Massenmörder wie am Fließband?

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