GG Allins Horrorshow


Von angepieselten Groupies über mit den Genitalien ausgepeitschte Securitys bis hin zu vaginal eingeführten Oktopussen – in all den Jahren ist in der Musik so manch Abartigkeit passiert. Im Vergleich zu GG Allin ist das aber nichts. Der Punkrocker, der in den 80ern und 90er aktiv war, lebte nämlich jeden seiner Impulse offen auf der Bühne aus. Dabei bewarf er seine Fans regelmäßig mit Fäkalien, rollte sich nackt in zersplittertem Glas oder prügelte wild auf Umstehende ein. Einmal schlug er sich mit seinem Mikro sogar so fest ins Gesicht, dass gleich sechs Zähne ausfielen. In erster Linie ging es Allin dabei darum, die Gewalt in den RocknRoll zurückzubringen und seine Fans für das schwere Leben abzuhärten.

Warum, GG, warum?

Warum genau der Mann ordentlich einen an der Klatsche hatte, bleibt für immer ein Geheimnis. Und jeder Versuch der Aufklärung ist nur schiere Spekulation. So kann das an den schwierigen Verhältnissen gelegen haben, in denen er aufwuchs. Sein Mikropenis mag aber auch den ein oder anderen Beitrag geleistet haben. Letztlich weiß man es nicht und Allin zu fragen, ist ebenfalls keine Alternative, verstarb der doch bereits 1993 an einem goldenen Schuss, direkt nachdem er ein Konzert abgebrochen hatte. Damit kam er seinem Versprechen schon ziemlich nahe, irgendwann mal auf der Bühne Suizid zu begehen.

Ist das Kunst?

Die Songs waren eigentlich nicht schlecht. GG nun aber als tortured Genius zu bezeichnen, wäre wohl deutlich übertrieben. Genau das attestierten Kritiker allerdings teils bei ihm und bezogen sich dabei vor allem auf seine Bühnenperformance. Sie dachten damit in Bahnen, die gerade für die moderne Kunst typisch sind. Hier geht es nämlich nicht mehr um schöne, gut umgesetzte Bilder, sondern um einen tiefgründigen Gedanken und darum, etwas Neues zu machen. Dabei wird die Ästhetik dann meist außer Acht gelassen. Dadurch können selbst Werke, die eigentlich simpel gemalt sind, Millionen einbringen. So wurde das White Fire von Barnett Newman etwa für 3,8 Millionen Dollar verkauft, obwohl es nur aus einem hellblauen Hintergrund und zwei Strichen besteht und auch von einem Kleinkind hätte gezeichnet werden können. Normalerweise ist Genialität eine Mischung aus Originalität und Qualität. Der Gedanke hinter einem Kunstwerk muss schließlich gleichzeitig möglichst noch nicht geäußert worden und gut bzw. schön sein. In der klassischen Kunst lässt sich die Qualität auch jenseits von schön bestimmen, da das Medium einfach für derartige Änderungen offen ist. Kunst kann nämlich auch nur intellektuell begriffen werden. Auf die Musik trifft das jedoch nicht zu. Ihr Hauptinhalt ist eben, sie als schön und bewegend zu empfinden. Daher bleibt es ihr verwehrt, die Art der Qualität zu ändern. Gerade deswegen kann man Allins Auftritte nicht als Kunst bezeichnen.

Hatte Allin Recht?

Zumindest sehen seine Fans das so. Auch behauptet das sogar ein 16-jähriges Mädchen, das Allin auf der Bühne vergewaltigte. Sie gab an, es habe sie abgehärtet. Daran sieht man auch, dass der Mann eigentlich nur ein Arschloch war und nicht wirklich darauf aus, das Leben seiner Anhänger zu verbessern. Irgendwo muss schließlich mal Schluss sein. Der Grundgedanke, dass man auch Härte und Gewalt fürs Leben braucht, ist natürlich nicht falsch. Selbst Nietzsche (und auch Freud) war der Annahme, man solle seinen tierischen Trieben und Aggressionen Ausdruck verleihen und sie einsetzen, um sich durchzusetzen. Dabei darf man sie selbstverständlich nur in den Arten manifestieren, die gesellschaftlich anerkannt sind und nicht etwa gegen das Gesetz verstoßen. Aber soll man nun zum Einzelkämpfer werden? Klar ist alles Sozialdarwinismus. Nur bedeutet das eben, dass sich der am besten Angepasste durchsetzt – im Gegensatz zum Stärksten und eben Aggressivsten. Wer sich in unserer Gesellschaft anpasst, fügt sich in sie ein und bekämpft sie nicht etwa. Hierfür wird natürlich auch Stärke und Dominanz abverlangt, allerdings ebenso das Miteinander und die Fähigkeit zur Kooperation. Möchte man in dieser Welt überleben, muss man also den Weg der Mitte gehen und beides miteinander kombinieren.

Macht euch selbst ein Bild von Allins Songs

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.